Gretas Schwester - Teil 8

Es kann losgehen

Über all’ das, was sie in der Nacht erlebt und im Morgengrauen mit dem Affenkönig besprochen hatte, dachte Anuk nach. Derweil ihr fast die Augen zufielen hockte sie noch immer vor den Bergen von Rührei, die Häuptling halber Hahn kredenzt hatte, um sein Lieblingsindianermädchen vom Bleiben auf der Insel zu überzeugen. Das Stammesoberhaupt war schon ganz heiser vor Überredungsarbeit. Er stand auf dem Tisch und brüllte seit Stunden in sein Bananenmikrofon, wie toll, wie schön, wie wundervoll es doch sei, gemeinsam auf diesem Südseeeiland zu leben. Anuk zog sich das Herz zusammen. Die meisten Indianer schliefen satt und zufrieden über ihren leer gegessenen Schüsseln. Auch Schneller Fisch dämmerte langsam weg. Anuk riss sich zusammen, ließ ihren Blick über die Runde, die ihr Zuhause war, schweifen und wusste: der Moment war gekommen!

Sie drückte Schnellem Fisch einen dicken Kuss auf seinen Kopf, der auf die Tischplatte gesunken war. Sie verschluckte sich dabei fast an dem Kloss in ihrem Hals. Anuk wusste, dass sie das Richtige tat. Doch der Abschied zerriss ihr das Herz. Sie kletterte also von der Bank, sagte ihrer Kindheit Adieu und verschwand im Gebüsch. Ab jetzt waren sie und Greta auf sich alleine gestellt. Jetzt musste sie ein großes Indianermädchen sein. Das letzte was sie hörte war das Lied, das Häuptling halber Hahn schon ein paar Mal während seiner langen Rede angestimmt hatte: „Wir haben alles, alles, alles, haben alles, alles, alles, haben alles, alles haben uns“, krächzte er. Er war so erschöpft, dass er gar nicht mitbekam, wie Anuk sich vom Festschmaus entfernte. Fast blind vor Tränen stolperte sie durch den Urwald in Richtung Strand. Dort hatte sie sich zur höchsten Sonnenstandstunde mit dem Affenkönig verabredet. Der hatte, derweil der Stamm zu Tisch saß, alles Nötige in die Wege geleitet.

Kaum dass sie sah, wie ernst ihr väterlicher Freund die Vorbereitungen für die große Reise genommen hatte, versiegten die Sturzbäche, die aus Anuks Augen quollen. Stattdessen ergriffen Reisefieber und tiefe Dankbarkeit von ihr Besitz. Greta schaukelte im Wasser. Auf ihrem Rücken turnten die Affen und machten den Wal seefest. An Gretas Flanken baumelten hunderte, an Tauen befestigte Kokusnüsse. Der Saft der Frucht und das Fruchtfleisch würden für Anuk wochenlang Nahrung satt sein. Doch damit nicht genug. Am Strand stand der Affenkönig und drehte und wendete einen Pfannkuchen nach dem anderen. Kaum war einer fertig, warf er ihn in die Luft, ein Affe fing ihn auf, stapelte zehn Teigfladen in einem geflochtenen Bambuskörbchen, der nächste versiegelte den Deckel, der dritte warf das Behältnis dem folgenden Affen in der Kette zu, hopp, hopp, hopp, bis eine Box nach der anderen in Stapeln auf Gretas Proviantrücken landete.

Als der Affenkönig genug gebrutzelt hatte, kletterte er persönlich auf Gretas Rücken, um den Pfannkuchenberg festzuzurren. Persönlich überprüfte er, ob auch das Tipi saß, ob genug Feuerholz, warme Decken und Honigtöpfe an Bord waren. Aufgeheizte Kokosmilch mit der Essenz der Blüte war das beste Mittel gegen frostige Nächte auf dem Ozean. "Bis ans nächste Ufer kommt ihr so", brummte er. Dann war es an der Zeit, Abschied zu nehmen.

Anuk drückte den Affenkönig so fest, dass ihm die Krone vom Kopf sprang. „Leb wohl, auf bald“, schluchzte sie. „Ich danke Dir für alles, was Du für Greta und mich getan hast. Ohne Freunde wie Dich wäre das Leben grau.“ Da sprudelten auch beim Affenkönig die Tränen und alle Affen fielen ein. Es war ein lautes Wehklagen da am Strand in der Südsee und fast hätte Anuk es sich anders überlegt. Doch die Sonne, die am Himmel inzwischen wieder die Oberhand gewonnen hatte, gebot dem Treiben Einhalt. Sie kitzelte Anuk mit einem Strahl am Zeh, so dass sie kichernd in die Luft sprang. Der Bann war gebrochen. „An Bord mit Dir, Indianermädchen“, brüllte der Affenkönig. Bald ist der Rühreischlaf vorbei und dann erklär’ Du mal Deinen Abgang.“

Anuk gehorchte. Doch bevor sie in ihr Boot schlüpfte, um damit zu Greta und ins Abenteuer zu paddeln, hielt sie noch einmal die Hand vom Affenkönig. „Versprich’ mir, dass Du dem Häuptling alles erklärst, auf meinen Vater Acht gibst, und meine Botschaft überbringst.“ „Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen“, sagte der Affenkönig. „Und nun fort mit Dir“. Er gab dem Schiffchen einen kräftigen Stoß und während Anuk sich immer weiter vom Ufer entfernte, standen die Affen am Strand und winkten mit Palmblättern, so dass es aussah, als sage der ganze Dschungel Adieu. Sie kletterte an Bord ihres Walfischbootes und Greta schoss zum Abschied eine weitere Fontäne in die Luft, die diesmal die Sonne erwischte. Sie schwammen davon, die Insel wurde immer kleiner und versank irgendwann am Horizont. Und so begann das große Abenteuer von Greta und Anuk.

In eigener Sache:

Du hast bis ganz zum Schluss gelesen. Wir freuen uns wie Bolle, dass Dir Gretas und Anuks Abenteuer gefallen. Jetzt geht die Reise richtig los. Endlich! Normalerweise würde an dieser Stelle "Fortsetzung folgt" stehen. Keine Sorge, eine solche wird es auch geben. Allerdings auf einem anderen Kanal. Wir werden von Gretas und Anuks großem Trip in und um die Welt in einem Buch weitererzählen. Ganz echt und verrückt analog. Sei' also gespannt! Wir sind es auch. Trotzdem werden Greta und Freunde natürlich weiterhin  Abenteuer auf Gretasfreunde.com erleben. Fest versprochen! Mehr wird allerdings noch nicht verraten. Schön, dass Du da bist.

Hab' ein zauberhaftes Wochenende, liebe Grüße von Tine und Sarah