„Die Planer lassen uns nicht rein“

Zusammen ist man besser auch mal allein. Tine liebt Campertouren durch die Welt mit Kindern, Mann und Kegel. Trotzdem schickt sie den Trupp hin und wieder mit Abschiedskusshand in die Wüste.

Wer sind deine liebsten Reisegefährten?

Immer mit muss Fred. Zumindest seit wir mit Kleinstgemüse unterwegs sind. Der Knisterfuchs ist ein Geschenk von Sarah und gesetzt wie Zahnbürste und Unterhose. Selbst als ich mich kürzlich ohne Kind und Kegel für ein paar Freundinnentage nach New York verpieselt habe, steckte Fred im Koffer. Ich reise gerne alleine mit Anhang. Ich brauche die Gesellschaft genauso wie Ruhe im Karton. Meine Idealreise führt mit Mann und Maus im Camper durch die Welt. Haben wir schon viel gemacht. Echt toll! Aber richtig toll ist es nur, wenn ich die Mannschaft auch mal einen Tag in die Wüste schicken und die Oase inklusive Buch, Schlaf und Kaffee oder Kaltgetränk für mich alleine haben kann.

Wie viele Länder sind in deiner Wohnung vertreten?

Das sind einige. Bei manchen Reisevertretern haben wir allerdings geschummelt. Der Bock an der Wohnzimmerwand etwa stammt aus Südafrika. Da waren wir noch nicht. Wir fanden Johnny (so haben wir ihn genannt) aber so possierlich, dass wir ihn auf EBay adoptiert haben. Die Meinungen über den neuen Mitbewohner gehen auseinander. Vegetarier setzen sich gerne direkt unter Johnny, damit sie ihm nicht tief in die Augen schauen müssen. Die Kinder lieben ihn, stellen ihn gerne als Freund der Familie vor und winken ihrem Kumpel jeden Abend gute Nacht.

Planer oder Last-Minute Kofferpacker?

Alle Reisen wieder nehmen wir uns vor, ins Lager der Planer rüberzumachen. Aber irgendwie lassen die uns nicht rein. Deshalb ergreift uns in der Nacht vor jedem Trip Hektik, Panik und tiefe Verzweiflung. Wir schultern Sack' und Pack' stets auf den allerletzten Drücker. Allerdings kommen wir immer rechtzeitig an unseren Bestimmungsort und haben noch nie ein Transportmittel verpasst.
Im letzten Jahr etwa sind wir am Heiligabend von Hawaii nach New York geflogen. Wir waren so spät dran, dass das Kind barfuß über den Flughafen flitzen musste. War mit FlipFlops einfach schwierig. Das Baby hing juchzend im Vorschnallgerät. Vater und Mutter wedelte die Zunge aus dem Hals. Was haben wir geflucht. In letzter Sekunde sind wir ins Flugzeug gestolpert. Da saßen alle, perfekt vorbereitet auf den Ostküstenwinter. Schal, Wollpulli, Stiefel, Kulleraugen. Unsere Mitreisenden starrten uns an wie einen vierköpfigen Wal aus dem Weltall. Wir hatten nämlich keinen Winterschick sondern Hawaiihemd, Badelatschen und Sonnenbrille zu bieten. Au Backe. Als wir saßen, fragte das Kind laut: Was brauchen wir nochmal, damit wir abstürzen? Wir haben daraufhin erstmal eine kalte Coke gestürzt und uns in die Abgründe der Peinlichkeit verkrümelt.

Was hat sich an deinem Reiseverhalten geändert, seit du Kinder hast?

Ich reise mit sämtlichen Sinnen. Nicht nur, weil ich den Windelinhalt, alle Launen, den Gebrüllpegel und Snackvorrat im Blick haben muss. Ich staune auch immer wieder über den kindlichen Appetit auf die Welt und die Beobachtungsgabe der Mini-Globetrotter. Allerdings vermisse ich das Schwimmen ohne Schwimmflügel, den Rausch ohne Reue, Abhängtage im Café und vor allem: Ausschlafen!

Das sperrigste Mitbringsel war…..?

...der Safarisessel im Wohnzimmer. Den habe ich in München in einem staubigen Altesachenlädchen im Glockenbachviertel entdeckt. Ich war aus dem Stand verliebt. Zum Glück war mein Bruder gleichzeitig zu Besuch in der Stadt. Der hat das Ding im Auto mit nach Berlin genommen und meinen Eltern gegeben, die es mir im Auto mit nach Düsseldorf gebracht und aufgebaut haben. Parents forever! Lovelovelove!

Was ist für dich der schönste Ort in deiner Wohnung?

Mein Bett!!!!

Und auf der Welt?

Schwer zu sagen. Immer wieder kickt mich der Puls von New York. Mir stockte das Herz angesichts der Schönheit sternklarer Wüstennächte in Arizona. Auch die Schneegipfel in Neuseeland haben mir die Sprache verschlagen. Einer der schönsten Momente war wahrscheinlich trotzdem in Mexiko. Wir saßen an einem menschenleeren Strand der Isla Mujeres. Die Sonne ertrank im Meer. Das Licht raubte uns den Atem. Es war irgendwie magisch. Ich war da schon ziemlich schwangerrund mit dem ersten Kind und wusste, dass Zweisamkeit künftig eher dreisam werden würde. Das hat mich unendlich glücklich und traurig zugleich gemacht. 

Dein nächstes Reiseziel?

Südafrika. Johnnys Heimat!