Der wilde Westen: West-Berlin

Es war einmal der Westen. Der war erst mondän, dann geteilt, dann verschmäht. Auf in den Osten, hieß es. Da tobt das Leben, tanzt das Clärchen, hämmert der Puls des neuen Berlins. Wer will Charlottenburg, Lichterfelde, Friedenau, wenn er die Mitte und den Hain und den Berg haben kann. Horden aus der ganzen Welt zog es also in die neue Stadt auf der einst anderen Seite. Die alte blieb wie sie war. Ein Mix aus mondän, geteilt und verschmäht. Die unverheiratete aber völlig unterschätzte Tante mit schlummernden Talenten und unter der Oberfläche brodelnder Leidenschaft. Ihr Tag würde kommen. Und er kam. Denn die Zugereisten wurden älter und die Daheimgebliebenen vernünftiger. Nicht zuletzt fanden sich auch die wieder ein, die einst weggegangen waren, weil sie den Westen Berlins für fad und uninspiriert hielten. Diese Ehemaligen erinnerten sich: so schlecht war das doch damals gar nicht in den Dörfern des Westens, Zehlendorf, Wilmersdorf, in Steglitz und Schöneberg. Und der Ku'damm, verdammt, selbst der ist aus dem Winterschlaf erwacht. Wir finden: Der Westen hat es in sich. Er ist im Grunde genauso wild wie der Osten. Nur ein bisschen authentischer. Nicht ganz so hip. Etwas älter. Vor allem aber gibt es die richtigen, echten, mondän-geteilt-verschmähten Berliner nur hier. Und ohne Berliner ist Berlin nicht Berlin.

Geheimtipp aus Frankreich. Tragbare, bezahlbare, unaufgeregt aufgeregte Mode aus dem Land, das weiß, wie Mode funktioniert. Gut, zugegeben, auch in Mitte gibt es den Laden. In Schöneberg kann man den Besuch bei Acoté aber mit einem Galão aus dem Double Eye garnieren. Hier gibt's den besten Kaffee der Stadt und ein paar kleine, kulinarische Schweinereien außerdem.

Acoté - Akazienstraße 21 - 10823 Berlin
Double Eye - Akazienstraße 22 - 10823 Berlin

Schön ist die Hauptstraße in Schöneberg nicht. Aber der Gemüse-Döner, der hier zu finden ist, macht sie in jedem Falle schöner. Zu der Kebab-Leckerei gibt es starken, schwarzen Tee gratis. Der Laden ist inzwischen eine echte Konkurrenz für Mustafas Gemüsedöner am Mehringdamm, bislang der Fladenbrothirsch am Platz. Bei Rüya schmeckt’s aber einfach frischer.

Rüya Gemüse Kebab -  Hauptstraße 133 - 10827 Berlin

Die Welt so weit, der Himmel nah, die Freiheit unbegrenzt. Diese Gedanken kommen einem unwillkürlich in den Sinn, wenn man über das Tempelhofer Flugfeld spaziert, radelt, skatet, kinderwagenschiebt, joggt, oder, oder, oder. Die Betätigungsmöglichkeiten auf dieser wahnwitzig großen Fläche inmitten der Stadt sind so endlos wie die Sicht. Ein bisschen erinnert das Areal an einen großen See, in dessen Mitte das Ufer fast außer Sicht gerät. Zwar brummt der Kreuzberger Bergmannkiez nebenan, Neuköllns Hipstermeile ist nicht weit, die S-Bahn rattert überirdisch und der Straßenverkehr tobt rund um diese urbane Oase. Doch auf dem Feld selber hört man fast nichts. Nur den Wind und Kinderstimmen und das Geknatter der Drachen, die dort täglich zu Dutzenden in die Luft steigen. Berlin, hier bist Du so was von wunderbar!

Tempelhofer Feld - Tempelhofer Damm 1-7 -  12107 Berlin

An heißen Tagen ist es nicht schwer, Vanille Marille zu finden. Es bilden sich lange Schlangen und einen Platz zum Sitzen bekommt man sowieso nicht. Doch das Warten lohnt sich. Vor allem die Sorten Mango und, wer hätte es gedacht, Vanille, haben es uns angetan. Wer sein Eis lieber im Sitzen genießen möchte, findet im nahe gelegenen Lasse Park ein Plätzchen auf der Bank. 

Vanille Marille - Belziger Straße 24 - 10823 Berlin
Weitere Filialen in Kreuzberg, Steglitz, Tempelhof, Potsdam

Sommer in Berlin sind großartig. Noch großartiger macht sie ein Besuch der beiden Gewässer „Krumme“ (wie die Krumme Lanke von Einheimischen genannt wird) und Schlachtensee. Die Seen liegen nebeneinander. Es gibt viele Bäume zum Ins-Wasser-springen und Seile zum Ins-Wasser-schwingen. Gebadet wird mit und ohne Kleider und gerne auch nachts. Sehr romantisch. Nur vor den Wildschweinen sollte man sich in Acht nehmen. Im Winter frieren die Seen mitunter zu und sind dann bestens geeignet zum Schlittschuhfahren. Wer sie sommers oder winters tagsüber aufsucht, kann sich in der Fischerhütte am Schlachtensee stärken.  Direkt am Schlachtensee gelegen besticht dieser Biergarten vor allem durch seine Lage aber auch empfehlenswert unprätentiöse Kulinarik. Etwas mondäner geht es im Inneren der Fischerhütte zu. Wir bevorzugen allerdings den Außenbereich.

Krumme Lanke - Fischerhüttenstraße/ Elvirasteig - 14163 Berlin
Fischerhütte am Schlachtensee - Fischerhüttenstraße 136 - 14163 Berlin

Gerne gibt sich der Ku’Damm wie ein alternder Gentleman im Smoking, der mit goldenem Gehstock in die Paris-Bar schlenkert, um dort seinen nachmittäglichen GinTonic zu schlürfen. Anders geht es zu im Bikinihaus, viel beschworener Aufbruchsort des Westens. In dieser Concept Mall gibt es weder Nostalgie noch Plüsch sondern vortreffliche Shops, wie etwa den des Gestalten-Verlags oder dänischen Modelabels Ganni. Vor allem aber trumpft eine ganze Etage mit Pop-Up Stores in Holzboxen, in denen sich Nachwuchsdesigner wechselnd für ein paar Wochen einmieten und ihr Geschäftsmodell erproben können. Wer sich nach dem Bummel durch die Geschosse stärken möchte, kann das Aug’ in Aug’ mit den Affen tun – ihr Zoogehege ist direkt nebenan. Direkt nebenan befindet sich auch das 25hours Hotel inklusive des schnieken Restaurants Neni Berlin und der gut besuchten Monkey Bar im 10. Stock mit gleichfalls spektakulärem Blick auf das Affenhaus. 

Bikini Berlin - Budapester Str. 38-50 - 10787 Berlin

Dachterrasse Bikini Berlin - Budapester Str. 38-50 - 10787 Berlin

„Das Kino kommt zurück." So wirbt der wiederauferstandene Zoo Palast. Und er hat Recht. Die Leinwände in diesem Tempel des grand cinema sind gigantisch modern, aber das Kinogefühl ist gigantisch altbacken. In den Kinostühlen versinkt man vor lauter Platz im Samt und auf Wunsch es gibt Speis und Trank am Sessel.

ZOO PALAST Berlin - Hardenbergstraße 29A - 10623 Berlin

Etwas weniger großherrlich, aber wahnwinzig gemütlich, geht es um die Ecke im Kantkino zu. In kleinen Sälen gibt es dort für kleines Geld kleine, aber sehr feine, Filme.

Kant Kino - Kantstraße 54 - 10627 Berlin

Café trifft Laden. Der Concept Store „DaWanda Snuggery“ ist ein wunderbarer Ort, um Kaffee und Kreativität zu schlürfen. Wir lieben es, mit dem Laptop an einem der Tische zu arbeiten und dabei heimlich zu überlegen, mit welchem der wonnigen Gegenstände wir gerne unser Heim garnieren würden. Zu kaufen gibt es nämlich neben allerlei Leckereien auch allerlei Hübsches und Mobiliar, ob Küchenutensil oder Klamotte, ob Vintagestuhl oder DIY-Lampenschirm.

DaWanda Snuggery - Windscheidstraße 19 - 10627 Berlin

Hier gibt es das beste Bibimbab der Stadt und selbstgemachtes Kimchi obendrein. Die Besitzerin ist eine waschechte Koreanerin, der man das Versprechen, in ihrer Küche erfahre der Gaumen, wie Korea wirklich schmeckt, absolut abkauft. Die Preise sind moderat, das Essen ist Weltklasse.

Cooking Papa - Wilmersdorfer Str. 72 - 10629 Berlin

Ein entzückender Ort zum Lustwandeln, Picknicken und Seele baumeln lassen. Wer sich hier vergnügt, kann sich trefflich vorstellen, wie der Hochadel einst zwischen den Birken Fangen gespielt hat.

Schlosspark Charlottenburg - Spandauer Damm 10–22 - 14059 Berlin

Das Kurhaus Ponte Rosa ist eine wunderhübsche Heimlichkeit zwischen Kreuzberg und Schöneberg. Direkt hinter der Monumentenbrücke gelegen (von hier aus hat man einen herzhüpfendherrlichen Blick auf Berlins Mitte) versteckt sich der Biergarten zwischen alten Bäumen an stillgelegten Lokgleisen. Im Sommer gibt es Hollywoodschaukeln, im Winter Lagerfeuer, außerdem jahreszeitenunabhängig knusprige Pizzen und Antipasti. Wenn es das Wetter zulässt, kann man sich frisieren und massieren lassen oder Bonanza schauen. Der Biergarten liegt in unmittelbarer Nähe zum Gleisdreieck-Park. Auch hier lohnt ein Besuch.

Kurhaus Ponte Rosa - Kreuzbergstrasse 42 B - 10965 Berlin 

In der Schöneberger Kneipe Resonanz gibt es neben Tatortabenden am Sonntag, Brettspielen und Bouletten vor allem 30 Jahre Berliner Geschichte(n). Das Publikum ist dank dieser Historie ein munterer Mix aus Studenten, Hipstern, Kiezgängern und Doppelkopflern. Aufgrund des briefmarkengroßen Außenbereichs trägt das Resonanz den Spitznamen „Berlins kleinster Biergarten“. Mehr Wessi-Kult und Wohnzimmeratmosphäre als hier geht kaum.

Resonanz - Ebersstraße 66 - 10827 Berlin

Köstlichster Kuchen der Stadt. Ein Stück ist riesig, unsere Begeisterung über soviel Kaloriengenuss auch. Gegessen wird draußen vor dem Laden oder zu Hause. Am Sonntag ist der Andrang besonders groß. Dann holt Undergroundbäcker Andreas Minsch nämlich seine legendären Zimtschnecken aus dem Ofen. Sie werden ihm regelmäßig unter den Händen weggefuttert.

Mr. Minsch - Yorckstraße 15 - 10965 Berlin